Auf Reisen mit den Ruswikingern

Begleiten Sie die Wikinger auf ihrer Reise nach Südosten vom Süden Skandinaviens über die Ostsee und entlang der ukrainischen und russischen Flüsse bis nach Konstantinopel und Bagdad.

Die Reise beginnt im kalten Norden – also in den Ländern, die wir heute als Dänemark, Norwegen und Schweden kennen und von wo aus die Wikinger aufbrachen. Beim Besuch der Ausstellung versetzt Sie das beeindruckende Bühnenbild in eine vergangene Welt und an historische Orte, die sowohl die erzählten Geschichten als auch die ausgestellten Gegenstände repräsentieren.

Staraja Ladoga

Der Ladogasee ist der größte Süßwassersee Europas und war zu Zeiten der Wikinger die erste Station auf ihrer Reise nach Osten. Von hier aus aus fuhren sie mit ihren Schiffen den Fluss Wolchow bis zur Siedlung Staraja Ladoga entlang. Staraja Ladoga wurde in den 700er Jahren von finno-ugrischen Stämmen bewohnt, die hauptsächlich von der Jagd auf Pelztiere lebten. Um das Jahr 860 siedelte sich jedoch eine große Gruppe von Skandinaviern hier an, sodass sich der Ort zu einer multiethnischen Kolonie aus Skandinaviern sowie ostslawischen, baltischen und finnischen Völkern entwickelte. Staraja Ladoga war das Einfallstor zum inneren Kontinent sowie zum Kaspischen Meer und galt 200 Jahre lang als einer der wichtigsten Handelsknotenpunkte Nordeuropas, insbesondere für Pelze mit dem Kalifat. In Staraja Ladoga wurden zahlreiche Gegenstände mit Bezug zu Skandinavien gefunden, daneben aber auch Objekte aus dem Nahen Osten.

Kort med flodsystemer, som vikingerne brugte.

Selonien und der Fluss Düna

Das Gebiet um den Fluss Düna im heutigen Lettland und Belarus war für die Wikinger ein wichtiges Tor zum Osten. Von hier aus bestand eine Verbindung zum Fluss Dnjepr in der heutigen Ukraine sowie mit dem Reich der Rus, dem Schwarzen Meer und Konstantinopel. Die Wikinger kämpften gegen und lebten zusammen mit den slawischen Selonen, die ebenfalls an den Handelstätigkeiten im Osten beteiligt waren. Mit der Zeit entwickelte sich hieraus eine wohlhabende Gesellschaft.

Erfahren Sie mehr über die ausgestellten Gegenstände

Grobina

In der Nähe der Mündung des Flusses Alande in die Ostsee im heutigen Lettland war Grobina ein natürlicher Hafen, in dem Schiffe anlegen konnten, während dies an der langen und sandigen Küste ansonsten nicht möglich war. Hier gründeten die Wikinger eine Kolonie, in der keine Assimilation mit anderen Völkern stattfand, sondern in der man Kleidung und Schmuck nach skandinavischem Vorbild trug sowie die eigenen Sprachen und Bräuche bewahrte. Auf den Friedhöfen rund um Grobina sind 3.000 Skandinavier begraben – oft mit gotländisch inspiriertem Schmuck.

 

Kyiv og Rusriget i RUS-udstillingen på Moesgaard Museum.

Kiew und das Reich der Rus

Das Reich der Rus war die Bezeichnung für ein Gebiet in der heutigen Ukraine rund um das Zentrum Kiew. Es wurde 879 von Fürst Oleg gegründet. Das Reich der Kiewer Rus war jedoch kein Staat, sondern eine Ansammlung verschiedener Gruppen, zu denen auch die Wikinger gehörten. Diese übernahmen die Macht über einige regionale Stämme und verbündeten sich mit anderen. Der Begriff „Rus“ bezeichnete eine Mischung aus Kulturen und Lebensweisen von Skandinaviern, Steppennomaden und slawischen Stämmen in einem Reich, das zu Recht als „Schmelztiegel“ bezeichnet werden kann. Die zentrale Lage Kiews in Osteuropa war vorteilhaft für die Handelswege nach Westen und Süden, darunter auch der Sklavenhandel nach Konstantinopel.

 

Konstantinopel 

In der Wikingerzeit war Konstantinopel die Hauptstadt des Byzantinischen Reiches, das damals das mächtigste Reich in ganz Europa darstellte. Es war ein wohlhabender und gut organisierter Staat an der Schnittstelle zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer, wo Asien und Europa aufeinandertreffen. Mit ihrer einzigartigen Lage für den Handel mit dem gesamten Mittelmeerraum, Nordafrika und dem Nahen Osten zog die Stadt Wikinger an, die ihre mitgebrachten Felle und Sklaven gegen Seide, Wein, Gewürze und Edelsteine eintauschen wollten. Andere Wikinger schlossen sich der „Warägergarde“ des byzantinischen Kaisers an. Heute heißt die Stadt Istanbul.

 

Ätil

Im 10. Jahrhundert war das Chasarenreich die mächtigste Macht im Gebiet nördlich des Kaspischen Meeres. Ätil an der unteren Wolga – eine Handelsstadt mit zahlreichen Lagerhäusern und Palästen – wurde zur Hauptstadt dieses Reiches. Die Chasaren, ein Volk von Steppennomaden, kontrollierten den Handel zwischen den Ruswikingern, slawischen Stämmen und dem Kalifat, indem sie Zölle und Steuern erhoben. Die Ruswikinger kamen auf den Geschmack dieser Art von Einkünften und begannen, von den Stämmen selbst „Schutzgeld“ einzufordern. Ende des 10. Jahrhunderts plünderten sie Ätil und brannten die Stadt nieder. Daraufhin übernahmen die Rus die Macht in der Region und schufen eine direkte Handelsroute zwischen dem Norden und der muslimischen Welt, wie Münzfunde entlang der Reisewege belegen.

Bagdad

Die Wikinger kamen bis nach Bagdad im Kalifat. Dies war eine prächtige Stadt mit Parks, Moscheen, Badehäusern, Schulen und Krankenhäusern. Die Paläste, Pavillons und Gärten für die Oberschicht lagen am Ufer des Tigris. Der Marktplatz zog mit seinen kostbaren Waren aus dem Orient wie Gewürze und Schmuck sowie den reichhaltigen Lebensmittel- und Obstständen sowohl den Fürstenhof und die Reichen als auch die breite Öffentlichkeit an. Hier verkauften die Rus ihre Felle, Schwerter und Sklaven gegen das begehrte arabische Silber. Soweit es möglich war, nutzen die Wikinger zum Transport ihre Segelschiffe. Arabischen Quellen zufolge mussten sie sich und ihre Waren manchmal jedoch auf dem Rücken von Kamelen befördern.

 

Gotland i RUS-udstillingen på Moesgaard Museum.

Gotland und Birka

Vor allem zwei Orte in Skandinavien zeugen von den Handelsabenteuern der Wikinger im Osten: Birka im östlichen Mittelschweden und die Insel Gotland an der schwedischen Ostküste.

Auf Gotland wurden 700 vergrabene Silberschätze mit einem Gesamtgewicht von 1.000 kg gefunden. Insgesamt 168.000 arabische Silbermünzen, Silberschmuck und Silberbarren zeugen von der unstillbaren Sehnsucht nach Silber, die die Wikinger zu ihren Reisen in den Osten veranlasste. Die meisten der weiten Handelsrouten für Sklaven führten über Gotland, und die großen Mengen an Silber, die auf der Insel gefunden wurden, stehen wahrscheinlich in direktem Zusammenhang mit dem lukrativen Sklavenhandel. Demzufolge überrascht es nicht, dass die Ergebnisse der DNA-Analysen von Skeletten der Inselbewohner eine sehr große genetische Vielfalt der Bevölkerung hervorbrachten. Die Insel Gotland war deutlich multikultureller und kosmopolitischer als das übrige Skandinavien zu jener Zeit.

Der Ort Birka lag auf einer Insel im Mälarsee und war bis zum Ende des 11. Jahrhunderts Endstation und Handelszentrum für viele Handelsschiffe aus den Kolonien des Rusreiches. Waffen, Perlen, Glas, Tongefäße, Textilien und Münzen aus den weitläufigen Regionen des Ostens fanden über Handelsnetze ihren Weg nach Birka. Vom späten 9. Jahrhundert bis zum großen Brand um 975 wurden die meisten Gewichte der Stadt an das arabische Gewichtssystem angepasst. Daran lässt sich erkennen, wie wichtig der Handel mit den östlichen Territorien war.

 

Weiterführende Links

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